Horst-Janssen-Museum Oldenburg
Am Stadtmuseum 4-8
26121 Oldenburg
info@horst-janssen-museum.de
www.horst-janssen-museum.de

Ausstellungen 2010

Alicia Candiani
Alicia Candiani
Pablo Picasso, Die Frau mit dem grünen Haar, 1949, Lithografie, Graphikmuseum Pablo Picasso Münster; © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Pablo Picasso, Die Frau mit dem grünen Haar, 1949, Lithografie, Graphikmuseum Pablo Picasso Münster; © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Copyright: Sigmar Polke. Fotograf: Frank Kleinbach
Horst Janssen: Bobethanien
Copyright: Sigmar Polke. Fotograf: Frank Kleinbach

Grafik ohne Grenzen - International Print Network 2010
28. Februar – 11. April 2010

Die neuesten und spannendsten Entwicklungen auf dem Gebiet der internationalen Druckgrafik werden im Frühjahr 2010 anhand von rund 200 ausgewählten Werken von Künstlern aus 36 Nationen im Horst-Janssen-Museum, im Stadtmuseum Oldenburg und in der Artothek Oldenburg vorgestellt.  

Der Titel „Grafik ohne Grenzen“ bezieht sich in erster Linie auf die Internationalität des Projektes. Künstler aus allen Ländern waren eingeladen. Künstler und Künstlerinnen aus fast 200 Ländern haben sich beteiligt. Weiterhin gibt es für die erfolgreiche Teilnahme an der International Print Network keine Zugangsvoraussetzung: Die Ausbildung des jeweiligen Einsenders spielt zunächst keine Rolle. Für die Mehzahl der Beteiligten jedoch gilt, dass sie ein Hochschulstudium absolviert haben, in den meisten Fällen auch selbst Dozenten sind. Dann spielt der Titel natürlich auf die potentielle Grenzenlosikeit einer jeweiligen druckgrafischen Technik an. Seit es die International Print Network – vorher Grafiktriennale – gibt, versuchen die Künstler die Grenzen der Techniken auszuloten, oder sie auch zu überschreiten: Holzschnitte, die so kleinteilig und virtuos gearbeitet sind, dass sie wie Fotografien wirken oder Digital Prints, die immer wieder den Pinselstrich, letzten Endes die Technik des Malens thematisieren.

Auch thematisch gibt es keine Vorgaben. Auffällig ist in diesem Jahr, dass das Bild des Menschen wieder stark in den Mittelpunkt rückt. Nach Jahren und Jahrzehnten, in denen die technischen Möglichkeiten vor allem an informellen und konstruktiven Formen ausgereizt wurden, wird jetzt der Mensch als Geschöpf, der Mensch als gesellschaftliches Wesen oder auch der Mensch in seinem urbanen Umfeld gesehen. Ein Thema, das uns alle interessiert.

Gefördert vom EU Programm Kultur.

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Picasso - Die Kraft der Linie
100 Lithografien und Radierungen
Vom 13. Mai bis zum 29. August 2010

Das Horst-Janssen-Museum Oldenburg widmet sich neben der Kunst Horst Janssens der internationalen Druckgrafik, wie Ausstellungen in der Vergangenheit von Rembrandt über Goya bis hin zu Andy Warhol und Jörg Immendorff deutlich gemacht haben. Picasso ist ein weiterer stilbildender Künstler, dessen grafisches Schaffen an Hand von 100 ausgewählten Beispielen vom 13. Mai bis 29. August 2010 im Horst-Janssen-Museum in den Mittelpunkt gestellt wird. Kein zweiter Künstler verkörpert auf eine derartig umfassende und beeindruckende Weise das 20. Jahrhundert wie Pablo Picasso mit seinen Werken.

Das Horst-Janssen-Museum und das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster kooperieren bei dieser Ausstellung erstmalig miteinander. Aus den Blättern der "Suite Vollard", die in den Jahren von 1930 bis 1937 entstanden sind, werden ausgewählte Werke gezeigt: Atelierszenen, erotische Darstellungen, Porträts von Rembrandt und Darstellungen des Minotaurus, der als Alter Ego des Künstlers in Picassos Werk immer wieder eine Rolle spielt.
Ein ganzer Kosmos entsteht vor den Augen der Besucher: Picassos Interpretation der Antike, sein Selbstverständnis als Künstler und das zentrale Thema der Geschlechterspannung kann in diesen konzentrierten Werken erfahren werden. Im Museum des Zeichners und Grafikers Horst Janssen sind die Tiefdrucke Picassos, von den sparsamen Kaltnadelblättern über die virtuosen Radierungen bis hin zu den malerischen Aquatinta-Arbeiten, natürlich auch in technischer Hinsicht von besonderem Interesse.

Ab der Mitte der 40er Jahre wendet sich Picasso der Lithografie und ihren eher malerischen Möglichkeiten zu. Aus der Sammlung Huizinga, die im Graphikmuseum Pablo Picasso Münster beherbergt ist, zeigt das Horst-Janssen-Museum ausgewählte Blätter. Selbstverständlich sind auch die großen farbigen Lithografien der Frauenporträts vertreten. Angefangen mit dem "Jeune fille aux grands cheveux" von 1945 über die genialisch einfach gezeichnete "Françoise" über die monumental anmutende "Femme au fauteuil" bis hin zu "Femme au corsage à fleurs" von 1958.

Die Ausstellung "Picasso - Die Kraft der Linie" wird gefördert von der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg, der Stiftung der Oldenburgischen Landesbank, der Stiftung Kunst und Kultur der Landessparkasse zu Oldenburg und der Stiftung Niedersachen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. 

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„In Bausch und Bogen liebe ich Landschaft“
Werke von Horst Janssen aus der Sammlung Brockstedt 
12. September – 28. November 2010

Das Horst-Janssen-Museum zeigt in regelmäßigen Abständen herausragende Privatsammlungen, die dem Werk Horst Janssens gewidmet sind. Im Jubiläumsjahr – das Museum wird 10 Jahre alt - wird Janssens Galerist Hans Brockstedt über hundert Zeichnungen, Radierungen und Aquarelle aus seinem großen Bestand im Museum präsentieren, in denen der Künstler sich mit dem Thema Landschaft auseinandersetzt.

Hans Brockstedt ist ein Mann der ersten Stunde, was die Entdeckung der Kunst Horst Janssens betrifft. Bereits 1956 hat er in Hannover, in seiner ersten Kunstgalerie, eine Einzelausstellung mit dem Hamburger Zeichner gewagt. Sein Mut wurde belohnt, 1968 erhielt Janssen auf der Biennale in Venedig den Sonderpreis für Grafik und erlebte den internationalen Durchbruch mit seinen spindeldürren, nackten Frauen und den entlarvenden, skurrilen Porträts.

Kurz darauf jedoch beginnt Janssens Interesse an der Landschaft, angeregt vor allem durch eine neue Liebe: Gesche Tietjens. Sie ist es, die Janssen, den eigenbrötlerischen Künstler, der nur ungern seine Behausung verlässt, in die Natur bringt und schließlich auch Reisen mit ihm unternimmt. „Gesche, das ist Landschaft“, sagt Janssen einmal. Ab 1969 entstehen sogenannte Feinstrichzeichnungen, die häufig als Metamorphose zwischen Frauenkörper und Landschaft angelegt sind. Mit Blei- und Farbstiften schafft Janssen aufregende, zarte Landschaftsgebilde, die bei näherem Hinsehen auch weibliche Körperteile erkennen lassen. Die Reisen, die Janssen mit Gesche Tietjens Anfang der 1970er Jahre unternimmt, führen zu nahezu realistischen Schilderungen der dortigen Landschaften. In dieser Zeit entstehen auch altmeisterlich anmutende Radierungen.

In den 80er Jahren gerät der Baum, vor allem die Kopfweide, in den Fokus von Janssens Schaffen, auch hier fesseln ihn die anthropomorphen Eigenschaften, die es bei Stamm, Ästen und Zweigen zu entdecken gibt. Janssens Interesse an den „menschlichen Züge“ der Bäume gipfelt in dem großformatigen Radierzyklus von 1986 „Laokoon“.

Nach einem tragischen Unfall mit zeitweiligem Verlust des Augenlichtes findet Janssen ab Ende 1990 umso intensiver zur Landschaftsdarstellung zurück: Aufgewühlte Flüsse, berstende Bäume und dramatische Himmel bestimmen die Darstellungen. Die vehement getuschten Aquarelle des Spätwerkes, in denen Janssen mit Farbe und dynamischen Pinselstrichen aufwartet, sind dem fantastischen Land „Bobethanien“ gewidmet. Heidrun Bobeth ist es nämlich, die den kranken Janssen liebevoll betreut, ihr sind diese Aquarelle gewidmet.

Große Farbradierungen von Wiesen und Feldern schließen das Thema Landschaft bei Horst Janssen ab. In diesen zuweilen fast monochromen Blättern weicht die aufgeregte Darstellung der Landschaft einer ruhigen, nahezu abgeklärten Sicht auf Oberfläche und Strukturen von Wiesen und Äckern. Die Sammlung des Galeristen Hans Brockstedt in Hamburg beherbergt zu sämtlichen Phasen des Landschafts-Themas - von den Anfängen in den späten 60er Jahren bis zu der Schaffensphase kurz vor Janssens Tod - herausragende Beispiele, die im Horst-Janssen-Museum vorgestellt werden.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog in Farbe, der durch die Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert wird.

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Sigmar Polke "Musik ungeklärter Herkunft"
12. Dezember 2010 – 13. März 2011

Am 10. Juni 2010 ist Sigmar Polke gestorben, einer der international bedeutendsten Nachkriegskünstler. Polke hat als Maler, Grafiker und Fotokünstler gearbeitet und sich vor allem durch seine ironischen Bildinhalte und seine alchimistischen Herangehensweise an die Malerei einen Namen gemacht. Im Jahr 2000 hat der Künstler den Goslarer Kaiserring erhalten und damit die höchste Auszeichnung, die in Deutschland für zeitgenössische Kunst vergeben wird.

Das Horst-Janssen-Museum und der Oldenburger Kunstverein erinnern in einer Doppelausstellung an diesen überragenden Künstler. Das Horst-Janssen-Museum zeigt 40 großformatige Gouachen, die 1996 für das Institut für Auslandsbeziehungen entstanden sind und seither in den Museen der Weltmetropolen gezeigt wurden.

Die leuchtend farbigen Blätter zeigen das ganze Spektrum der für Polke typischen Arbeitsweise: Bildzitate aus Kunstgeschichte und Trivialkultur werden in gemalten Punktrastern zusammen gebracht; grelle Farben ergießen sich in Schlieren auf dem Papier, ausgeklügelte Kompositionen treffen auf zufällig entstandene Muster und Ornamente. Die absurd-komischen Bildtitel schaffen eine zusätzliche Inhaltsebene. Wenn Polke sich in einem Bild die Frage stellt, ob „Wissenschaftler, erfinderische Zwerge’ sind, die man für alles mieten kann“, dann liefert dieses Zitat, das er als Bildtitel einsetzt, die schönste Vorlagen für weitreichende Spekulationen zu seinem Bild. Die Bildtitel der Werke führen ein gewisses Eigenleben. Sie sind meist mehrere Zeilen lang und aus unterschiedlichen Quellen zusammengesetzt: Kalendersprüche, Haushaltstipps und Werbeslogans werden wild vermischt, und künden von der Absurdität des Alltags. Ebenso wie die Titel werden auch die Werke selbst aus Versatzstücken der Bildenden Kunst und der Alltagskultur komponiert. Barocke Paare, Barbiepuppen, Hausfrauen und Wissenschaftler geben sich mit abstrakten Motiven ein Stelldichein.

Dabei ist vor allem Polkes Anspielung auf die Druckgrafik von Interesse. Die gemalten Bildrasterpunkte kokettieren mit dem Offsetdruck, der als unkünstlerische, rein kommerzielle Drucktechnik galt. Bei Polke sorgen gerade diese gemalten Bildpunkte, die in fast jedem der gezeigten Arbeiten vorhanden sind, für die enorme sinnliche Präsenz. Der malerische Ansatz, die leuchtenden Interferenzfarben und das große Format der Blätter lassen die Ausstellung zu einem besonderen Erlebnis werden. 

Neben 40 großen Arbeiten auf Papier werden zwölf Fotografien des jungen Sigmar Polke von der Fotografin Angelika Platen ausgestellt. Sie zeigen einen heiteren, fast übermütigen Polke, dem der Schalk im Nacken sitzt. Die Porträtfotos sind eine Besonderheit, weil es von Polke, der als extrem medienscheu galt, nur wenige Aufnahmen gibt. 

Die Ausstellung wird von der Bremer Landesbank gefördert.