Ausstellungen 2012

Markus Lüpertz - SAGENHAFT
2. März bis 3. Juni 2012

Nach Ausstellungen mit Jörg Immendorff oder Sigmar Polke widmet sich das Horst-Janssen-Museum wieder einer großen zeitgenössischen Künstlerpersönlichkeit und eröffnet das Ausstellungsjahr 2012 mit Markus Lüpertz.

Neben Zeichnungen und Druckgrafiken werden auch Plastiken des Künstlers gezeigt: Kleine Bozzetti aus der „sagenhaften“ Welt der antiken Mythologie korrespondieren mit den grafischen Arbeiten und präsentieren uns eine kraftvolle grob-gestische Umsetzung klassischer Vorbilder. Lüpertz bedient sich des antiken Themas, zielt damit auf eine traditionelle Erwartungshaltung und konfrontiert uns schließlich mit Figuren, deren Körperlichkeit und Ausdruck unseren Erwartungen zuwiderlaufen. Nicht selten rufen seine Plastiken daher heftigen Unmut hervor; wie die große „Aphrodite“ für Augsburg, die letztendlich aus dem öffentlichen Raum entfernt werden musste.

Das Entwurfsmodell zu dieser Aphrodite, der Göttin der Schönheit, wird in der Ausstellung zu sehen sein.

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Michael Kvium - freestyle tales
16. Juni bis 9. September 2012

Frei von jedem klassischen Vorbild sind die Figuren von Michael Kvium, dem neben Kirkeby zurzeit wohl bekanntesten Künstler Dänemarks.

Unabhängig von traditionellen Motiven und Symbolen und ohne eindeutige Genrezugehörigkeit agieren sie in einem Raum, der vom Künstler mit eigenen Attributen ausgestattet ist. Mit malerisch höchstem Anspruch entwickelt er befremdende Situationen, die nicht zu verorten und schwer zu begreifen sind. Kviums Figuren sind auf ungewöhnliche Art abstoßend und ihre Körperlichkeit ist irritierend - dennoch sind sie auf seltsame Weise anrührend. „freestyle tales“ – der Titel der Ausstellung kann als Synonym für Kviums Gesamtwerk gelten: In freien, fiktiven Erzählungen und mit originärem Stil entwirft er sein Menschenbild der Moderne.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Horst-Janssen-Museums und der renommierten Edition Kopenhagen.

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Meisterwerke von Horst Janssen
7. Juli bis 3. Oktober 2012
Aus der Hamburger Privatsammlung Kerstin Schlüter

Kerstin Schlüter, langjährige Freundin und Nachbarin von Horst Janssen, stellt dem  Museum während der Sommermonate rund dreißig Meisterzeichnungen aus ihrer privaten Sammlung zur Verfügung.

Die bislang wenig gezeigten Arbeiten sind vorwiegend in den 1980 er Jahren entstanden und gehören zu den bekanntesten Motiven aus der Hand Horst Janssens. Die Sammlung spiegelt das gesamte Spektrum des zeichnerischen Ouevres Janssens wider, welches in seinem sechsten Lebensjahrzehnt entstand.

Zu sehen sind großformatige Plakatentwürfe zu Ausstellungen in Hamburg sowie der Entwurf des Plakates zu einer Ausstellung von Janssen-Zeichnungen in Chicago im Jahr 1980. Hinzukommen aquarellierte Landschaften, Porträts und Selbstporträts, Blumenstillleben und Erotisches.
Zeichnungen von Tieren spielen in der Sammlung eine besondere Rolle. Horst Janssen und Kerstin Schlüter teilten eine große Tierliebe, insbesondere zu Katzen.


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Paul Wunderlich - Zwischen Provokation und Poesie
23. September 2012 bis 6. Januar 2013

Mit den lithografischen Arbeiten seines Freundes und Weggefährten Paul Wunderlich widmet sich das Horst-Janssen-Museum einem der einflussreichsten Grafiker der 60er Jahre in Deutschland.
Gemeinsam haben Wunderlich und Janssen an der Hamburger Landeskunstschule am Lerchenfeld studiert. Noch während seines Studiums wurde Wunderlich die Leitung der dortigen grafischen Werkstatt übertragen, wo er als Drucker für Emil Nolde und Oskar Kokoschka arbeitete. Hier führte der nur wenig ältere Wunderlich den Kommilitonen Janssen in die Kunst des Radierens ein.

Für Horst Janssen war Paul Wunderlich „Vorbild, Lehrer und Gegensatz“, wie er in einer Laudatio anlässlich einer Ausstellungseröffnung für den Kommilitonen und Weggefährten betont.

Die Ausstellung konzentriert auf Wunderlichs frühe Lithografien, die bis 1975 entstanden sind. Sie zeigen die Frühphase des Künstlers, in der sich seine unverwechselbare Bildsprache entwickelt hat. Die gezeigten Lithografien zeichnen sich durch ihre hoch ästhetisierte Gestaltung,  eine geradezu exzentrische Farbwahl und Experimentierfreude aus. Wunderlichs vielfältige Frauendarstellungen feiern eine kühle Erotik, die in symmetrischen Kompositionen und stilisierten, in die Länge gezogene Akten ihren unverwechselbaren Ausdruck findet.
Zu den wichtigsten Blätter aus dem frühen lithografischen Schaffen Wunderlichs zählt zudem die skandalträchtige Mappe „qui s’explique“, die aufgrund ihrer homoerotischen Brisanz anlässlich einer Ausstellung im Jahr 1960 von der Hamburger Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und dem Künstler erst 1985 zurückgegeben wurde. Sie machte Wunderlich auf einen Schlag berühmt und ist in der Ausstellung zu sehen.
Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle entstanden, die aus Anlass einer großzügigen Schenkung des Berliner Kunsthändlers Dieter Brusberg, in den Besitz eines großen Bestandes an Lithografien von Wunderlich gelangt ist.
Die Ausstellung wird durch einige wenige Arbeiten von Horst Janssen ergänzt.
Das Projekt wird unterstützt durch die Oldenburgische Landesbank.

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Horst Janssen als Angeber X - Flegeleien und Verneigungen
3. Oktober 2012 bis 6. Januar 2013

Weniger um Freunde und Weggefährten geht es in dem von Janssen 1981 verfassten Pamphlet mit dem Titel „Angeber wie icks. 1 Quijoterie“, als vielmehr um seine Verachtung des damaligen Kunstbetriebes und seine persönlichen gegen Zeitgenossen gerichteten „Flegeleien“.
„Die 2 lächerlichsten Armseligkeiten heute sind zugleich die berühmtesten Erscheinungen im Gehege Bildende Kunst: Warhol + Beuys.“ Solcherlei verbale Angriffe auf Künstlerkollegen sind frech und amüsant, offenbaren aber auch Janssens Unvermögen, sich Positionen der Moderne gegenüber zu öffnen. Ihm, der sich an Altmeistern wie Rembrandt und Goya misst, können Werke von Horst Antes, Salvador Dali, Konrad Klapheck, Arnulf Rainer und André Thomkins bspw. künstlerisch nicht genügen.

Das Horst-Janssen-Museum stellt diese von Janssen verschmähten Künstler den originalen Briefen, Texten, Collagen und Zeichnungen zum Angeber X gegenüber und thematisiert damit den Diskurs um Kunst und Kommerz der 1980er Jahre. Kommentare zeitgenössischer Künstler zu Qualität von Kunst und Kriterien ihrer Vermarktung sowie zu Janssens egozentrisch-kompromissloser Einstellung zur Moderne runden den Diskurs ab und aktualisieren ihn.