Ausstellungsjahr 2014

Ralf Ziervogel – Preisträger des Horst-Janssen-Grafikpreises der Claus Hüppe-Stiftung 2014
vom 19. Oktober 2014 bis 4. Januar 2015


Ralf Ziervogel ist der fünfte Preisträger des Horst-Janssen-Grafikpreises der Claus Hüppe-Stiftung. Er arbeitet in den unterschiedlichen Gattungen Zeichnung, Malerei, Skulptur, Video und Installation und ist vor allem als Zeichner bekannt. In häufig großformatigen Tintenzeichnungen lässt er ornamentale  Menschenketten ranken, die untereinander allerdings durch brutale oder obszöne Handlungen verbunden sind. Dabei wird sein vermeintlich misanthropisches Menschenbild von seiner überbordenden Erfindungskraft und einer Detailversessenheit domestiziert und mit feinsten, geradezu delikaten Linien zu Papier gebracht.  


In Oldenburg stellt sich Ziervogel  auch mit scheinbar gegensätzlichen  Werken vor:  Auf seinen neuen über 2 Meter hohen Leinwandarbeiten präsentiert er verzweigte Linienkonstrukte auf strahlend weißem Grund.  Diese auratischen Bilder, die sich dem Betrachter fast entziehen, liefern dennoch konkrete Informationen: Bei sehr genauem Hinsehen kann man in den haarfeinen Bleistiftlinien Texte des Künstlers entziffern; es handelt sich häufig um Begriffe und Satzfragmente, die wiederum die primitiven Instinkte der menschlichen Lebensform im Inhalt haben. In seinen neuesten Werken arbeitet Ralf Ziervogel mit Tinte und Gouache. Diese „Eskimolieder“ sind von Gesten, die bei der Benutzung von touch screens entstehen, inspiriert. Neben den Spuren, die die Finger auf der Bildschirmoberfläche hinterlassen, tauchen in diesen Arbeiten auch Textelemente gleichermaßen aus der Verborgenheit der virtuellen Welt auf.

'Geile Sybillchen' – Erotische Fantasien von Horst Janssen
18. Juli bis 16. November 2014


Das Sujet der erotischen Zeichnungen ist für Horst Janssen von Anfang an inspirierend und von zentraler Bedeutung. Aus diesem Grund widmet das Horst-Janssen-Museum den „geilen Sybillchen“ – wie Janssen sie nennt – eine Sonderausstellung. Bereits die frühen Radierzyklen sind der Erotik gewidmet. Mit ihrer fantastischen, versponnenen Bilderfindung stehen diese Radierungen der Art Brut nahe und sind doch ganz eigenständige Entwürfe des 30-jährigen Künstlers und erste Annäherung an das Thema. Das Horst-Janssen-Museum zeigt ausgewählte  Blätter aus „Nana“, 1959 und „L’heure de Mylène“, 1962. 


Schließlich schafft Janssen eine ganze Reihe von Bleistift- und Farbstiftzeichungen, die den Frauenakt ins Zentrum stellen. Mit diesen Feinstrichzeichnungen macht er auf der Biennale in Venedig 1968 Furore. In dieser Zeit nennt sich Janssen selbst „Millionenstrichler“ und seine Werke „Fleischzeichnungen“. Das Horst-Janssen-Museum wird die schönsten Beispiele dieser aufwändigen Blei- und Buntstiftzeichnungen zeigen. Einen Höhepunkt in Janssens erotischer Kunst bildet zweifellos der Aquarellzyklus „Phyllis“, in dem Janssen sehr malerisch vorgeht. Aber auch der Humor spielt in Janssens Erotik eine Rolle: In den farbigen, spontanen Aquarellen „Drollerei“, die ab den 1990er Jahren entstehen, findet man einen gelösten, fast spielerisch arbeitenden Künstler, der sich auf wieder neue Art dem Thema nähert.


Ahmet Ögüt: Apparatuses of Subversion
26. Juli bis 5. Oktober 2014


Mit der Ausstellung „Apparatuses of Subversion“ untersucht Ahmet Ögüt Momente, in denen staatliche oder wirtschaftliche Akteure in die Sphäre des Einzelnen eintreten, um den öffentlichen Raum zu regulieren und damit den gesellschaftlichen Status quo festzuschreiben. Auf der Basis einer genauen Beobachtung aktueller Machtstrukturen und Regierungsstrategien kehrt Ögüt diese Mechanismen mit feinsinniger Ironie und Humor ins Gegenteil oder hebt sie gänzlich auf – so laden Instrumente der Abschottung zum Durchgang ein, während Zensurorgane zu Verteilern von Information umfunktioniert werden.

Durch eine Auswahl an Arbeiten der letzten Jahre entwickelt Ögüt im Ausstellungsraum eine vielschichtige Auseinandersetzung über das Verhältnis von Individuum und Staat. Der Künstler präsentiert den öffentlichen Raum dabei zwischen zwei Extremen: der politischen Bühne und einem restriktiven, durch Zensur und Überwachung kontrollierten Raum. Dieses Spannungsfeld erweitert Ögüt um eine Neuproduktion für das Horst-Janssen-Museum, in der sich öffentlicher und privater Raum auf absurde Weise begegnen. Hier zeigt sich wie sich individueller Widerstand gegenüber freiheitseinschränkenden Maßnahmen im Alltag ausdrücken kann.

  

"Wie ein Traum!"
Emil Orlik in Japan
11. Mai bis 6. Juli 2014

Von künstlerischer Neugierde getrieben, reist der Maler, Zeichner und Grafiker Emil Orlik (geboren 1870 in Prag, gestorben 1932 in Berlin) von April 1900 bis Februar 1901 nach Japan. Als einer der ersten europäischen Künstler studiert er vor Ort die für die europäische Kunstwelt der Jahrhundertwende so faszinierende und inspirierende Technik des japanischen Farbholzschnitts.

Orlik sucht die Holzschneider und Drucker in ihren Werkstätten auf und überträgt das dort Erlernte und Gesehene auf seine eigenen grafi schen Arbeiten. Orliks während und nach der Reise entstandenen Drucke zeugen davon: Sie sind meisterhaft in ihrer technischen Ausführung, in ihrer für die europäischen Sehgewohnheiten fremden Farbgebung und in ihrer exotischen Motivik.

Die Ausstellung präsentiert nahezu vollständig alle in Japan entstandenen sowie nach der Reise durch Japan inspirierten Drucke, darunter Holzschnitte, Lithografien und Radierungen. Ergänzt wird die Schau, deren Exponate aus einer Hamburger Privatsammlung stammen, mit japanischen Farbholzschnitten aus der Sammlung des Stadtmuseums Oldenburg.

Im Rahmenprogramm zur Ausstellung erwarten Sie neben den bewährten Sonntagsführungen eine Künstler- und eine literarische Führung, ein Kinder-Workshop und das Jubiläumsfest der Deutsch-Japanischen Gesellschaft. Auch die beliebten Reihen "Kurz nach Feierabend mit einem Glas Prosecco ins Museum" und "Kunst mit Kind" werden neu aufgelegt. Natürlich können Sie darüber


Final Cut
Papierschnitt als eigenständiges künstlerisches Medium
25. Januar bis 27. April 2014

Der Scheren- bzw. Papierschnitt hat als elementare Gestaltungsmöglichkeit eine lange Tradition, die sich von den Anfängen in China, Indonesien und Persien bis zu seiner Verbreitung in Europa im 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Ihre Wurzeln hat die Schneidekunst vor allem im volkstümlichen Brauchtum. Als Liebhaberkunst war sie eine vornehmlich dem Kunsthandwerk zugehörige Fertigkeit, die sich aufgrund einfacher Motive sowie beachtlicher handwerklicher Virtuosität großer Beliebtheit erfreute.

Siebzehn internationale Künstlerinnen und Künstler zeigten, dass die Autonomie künstlerischer Gestaltungsprozesse die Grundlage ihrer inspirierenden Arbeiten ist und nicht der klassische Scherenschnitt. So lassen sich z.B. deutliche Einflüsse aus anderen künstlerischen Disziplinen wie Bildhauerei, Malerei oder Grafik erkennen sowie ein Interesse an Architektur oder Zeichnung und Lineament. Darüber hinaus hat sich die Präsentationsform der Papierschnitte vollkommen verändert: vom kleinen Format bis hin zu überraschend großen, raumgreifenden Arbeiten, zu außergewöhnlichen Objekten und filigranen Installationen.

 

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