Animationen aus „Janssen ANIMIERT“

Matthias Beckmann: Jean Patou

Matthias Beckmann, Jean Patou, 2021, Zeichnung und Stop-Motion, Musik: Catherine Lorent © (Matthias Beckmann) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Über Matthias Beckmanns Animation „Jean Patou“

Für Matthias Beckmann ist Horst Janssen ein künstlerisches Vorbild, seit er Teenager war. Er nennt Janssens Leben „wild, zärtlich, widerborstig und psychedelisch“ und teilt Janssens Lust am Gucken und Zeichnen. 2000 Zeichnungen von Matthias Beckmann sind in seine Animation „Jean Patou“ als Material für die Bild-für-Bild-Montage eingegangen. „Jean Patou“ ist eine kurze Erzählung Horst Janssens, mit der er seine Mannheimer Rede anlässlich der Verleihung des Schillerpreises 1975 einleitete und auch der Name eines französischen Modeschöpfers, Designers, Dandys und Parfum-Créateurs, der selber nicht zeichnen konnte. Die Silhouette Janssens, der sich in Beckmanns Trickfilm vom schmächtigen jungen Mann zum wohlgenährten Künstler entwickelt, verwandelt sich in die Woge des berühmten Holzschnitts von Hokusai. Der famose und überaus fleißige Hokusai war eines der Vorbilder des Zeichners Janssen. Daneben gibt es im Film viele Zitate aus frühen Zeichnungen Janssens. Die Musik von Catherine Lorent begleitet Matthias Beckmanns bewegte Bilder.

Aline Helmcke: j.J. (junger Janssen)

Aline Helmcke, j.J. (junger Janssen), 2021, analoger Zeichentrick mit digitalen Elementen, Musik und Sounddesign: Fabio Viana

Über Aline Helmckes Animation „j.J. (junger Janssen)“

Aline Helmcke hat sich die Radierungen aus der „Guten Morgen Mappe“ von Horst Janssen von 1958 für ihre Geschichte „j. J.(junger Janssen)“ vorgenommen. Sie erzählt mit den bei Janssen gefundenen Bildelementen und in einer Kombination aus gezeichneten und im Computer bewegten Bildern von der Beziehung Janssens zu seiner dritten Frau Verena von Bethmann-Hollweg. Die Sehnsucht und die destruktive Leidenschaft sind für Aline Helmcke in dieser Beziehung prägend. Die Geschichte entwickelt sich in Helmckes Zeichnungen auf Graupapier, Janssens zeichenhafter Bildsprache folgend, lose und assoziativ. Die Atmosphäre ist düster und rätselhaft. Dabei wird das Motiv des Hundes, das sich durch Janssens gesamtes Frühwerk zieht, als verstörendes Element in die Geschichte mit eingebunden. Die Musik und die Tonebene haben im Film eine besondere inhaltliche Bedeutung (Musik und Sounddesign: Fabio Viana).

Petra Lottje: Die Liebe zum Kopffüßler

Petra Lottje, Die Liebe zum Kopffüßler, 2021, 3-teilige Installation, digital animierte Zeichnung, Musik und Sounddesign: Norbert Riechmann © (Petra Lottje) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Über Petra Lottjes Animation „Die Liebe zum Kopffüßler“

Petra Lottje hat sich analytisch mit der Figur des ganz jungen Horst Janssen befasst. Ihre Animation „Die Liebe zum Kopffüßler“ spricht Grundbedürfnisse, Ängste und Ambivalenzen des Menschen an. Lottje zeigt sie als ursprüngliche Emotionen eines Kindes, die später auch den Erwachsenen begleiten. Sie hat den „Kopffüßler“ als Protagonisten ihrer Animation gewählt, denn die ersten Zeichnungen eines Kindes bestehen in der Regel aus Kopf und Beinen. Petra Lottje betont die unbedingte Treue zu sich selbst, die Janssen für sich in Anspruch genommen hat. Lottjes Animation ist dreiteilig und wird in einer Installation auf drei Leinwänden gezeigt. Szene 1: Bühne, Szene 2: Monster, Szene 3: Das weiße Rauschen, sind die jeweiligen Kapitel ihres Projektes.

Bettina Munk: Zeige deine Wunde – nicht

Bettina Munk, Zeige deine Wunde – nicht, 2021, Computeranimation, Musik: Nicholas Bussmann/Grand Prix d'Amour Productions

Über Bettina Munks Animation „Zeige deine Wunde – nicht“

Seit Bettina Munk online eine Abbildung (Foto: Egon Teske) von Horst Janssen gefunden hat, fasziniert sie, wie diese Fotografie dem Männerbild des 20. Jahrhunderts entspricht. Sie zeigt Janssen im Gespräch mit einem Gegenüber bei einem öffentlichen Anlass in den 1960er Jahren und Janssen präsentiert eine große Zahnlücke – alle Vorderzähne, bis auf die Eckzähne fehlen. Er trägt diese Zahnlücke nach einer Schlägerei so selbstverständlich, wie einen Schmiss nach der Mensur. Das Bild ist ein Zeitzeichen, das auch von der Auffassung des Künstlers als antibürgerlichem Rebell erzählt. Inzwischen sind Künstler zu Unternehmern geworden und dieser Anblick wäre im 21. Jahrhundert bei einer öffentlichen Person, die respektiert werden will, unvorstellbar. Er sagt viel aus über die Nachkriegszeit. „Zeige deine Wunde“, der berühmte Satz von Joseph Beuys, wird heute fast nicht mehr verstanden. Er betrifft nicht nur Wunden, die Opfern geschlagen werden. Es sind damit auch Versehrte angesprochen, deren Wunden erst über Umwege sichtbar werden. Bettina Munk verwebt in ihrer Computeranimation „Zeige deine Wunde – nicht“ das zahnlose Lachen mit den Selbstbildnissen von Janssen, die häufig mit offenem Mund, doch nie ohne Zähne gezeichnet wurden. Der Berliner Komponist Nicholas Bussmann schuf die Musik dazu. 

Norbert Trummer: blukralafiratin

Norbert Trummer, blukralafiratin, 2021, Malerei und Stop-Motion, Musik: Hirsch Fisch © (Norbert Trummer) VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Über Norbert Trummers Animation „blukralafiratin“

Norbert Trummer hat die Radierungen von Horst Janssen in den 1990er Jahren kennengelernt und war beeindruckt von Janssens Leichtigkeit als Zeichner und Grafiker. Das Nonsenswort „blukralafiratin“ für den Titel seines Animationsfilms setzt sich aus den Anfangssilben der sechs verwendeten Janssen-Motive zusammen: Blumen, Krähe, Langusten, Fisch, Ratten, Insekten.  Die Einzelbilder für Trummers Trickfilm entstehen anhand von Eitempera-Malereien auf Holz. Eitemperafarbe trocknet schnell und bildet eine seidenmatte Oberfläche. So können die Phasen während des Malprozesses gut für die Animation fotografiert werden. Die Filmmusik basiert auf aufgenommenen Geräuschen bei der Arbeit im Atelier und auf akustischen Fundstücken von Spaziergängen. Die Tonspur aus den atmosphärischen Geräuschen stellte Klaus Tschabitzer zusammen. Er ist Co-Musiker vom Norbert Trummer im Country-DADA-Duo Hirsch Fisch.

Hinweis:
Die Videos enthalten keine Untertitel, da sie nicht mit Sprache, sondern nur mit Sound unterlegt sind.