Zeichenkunst bis heute

Informationen über die Studierenden des Animationsprojekts

Die 19 Studierenden der HfK Bremen haben sich 2024/25 während eines Besuchs im Horst-Janssen-Museum und in ihrer eigenen Recherche mit dem Leben und Werk Horst Janssen auseinandergesetzt. In den daraus entstandenen Animationsfilmen haben sie visuell und auditiv Janssens Motive, Ästhetik und Lebensumstände aufgegriffen. Dabei ließen sie sich unteranderem von einigen Werken aus der Sammlung des Horst-Janssen-Museums inspirieren. Die hier angeführten Werke beschränken sich auf den internen Bestand. 

Sophia Gommeringer (*2002, Digitale Medien)

workspace – Arbeitsplatz (00:32)

Die Stop-Motion Animation zeigt Janssens Arbeitsplatz aus seiner Sichtweise, während er eine angezündete Zigarette in seiner Hand hält. Er sitzt beinahe regungslos vor einem leeren Blatt Papier, ohne auch nur einen Strich zu zeichnen, als fehle ihm die kreative Motivation mit seiner nächsten Arbeit zu beginnen - eine Art Starre, in der er sich befindet. Nur der Rauch seiner Zigarette und draußen die Bäume vor seinem Fenster bewegen sich, sonst ist alles still. Im Zimmer läuft ‚Gymnopédie No.1‘ auf einer leicht zerkratzten Schallplatte und man kann hören wie draußen ein leichter Wind durch die Bäume zieht.   

Diese Starre zieht sich durch den gesamten Film, so dass der/die Betrachter*in nicht weiß, wann und ob er überhaupt anfängt mit seinem nächsten Werk. 

Musik: Gymnopédie No. 1, Erik Satie – gespielt von Marlene Trittler & Aurelia Preu

Yufan Yang (*1999, integriertes Design, Illustration, Animation)

Vogel (00:27)

Die Animation „Vogel“ ist inspiriert von Horst Janssens wiederkehrendem Motiv des Vogels. In seinen Werken steht der Vogel für Vergänglichkeit und das Flüchtige - genau diese Elemente prägen auch den Film. Der Rauch steigt auf und verwandelt sich in Formen, die sich ständig verändern und schließlich auflösen. Am Ende bleibt nur noch Dunkelheit und eine letzte Rauchspur, die lautlos verschwindet. 

Die Animation wurde von Hand gezeichnet und versteht sich als Hommage an Janssens Kunst und ihre vergängliche Schönheit.

Technik: Kohlestift auf Papier

Kontakt: YUFYANG(at)hfk-bremen.de

Instagram: yufanyy

Zuzanna Polczyk (*2001, Digitale Medien, Tätowiererin, Illustration)

Rotwein (00:59)

Die Animation zeigt Horst Janssens Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Tod und den Dämonen seines Lebens. Sein exzessiver Alkoholkonsum, der ihn inspirierte und ihm oft als Muse diente, wird ebenso thematisiert wie die Schattenseiten: Alkohol war zugleich sein größter Feind, der ihn im Alter körperlich und geistig einholte. 

Mit Symbolen wie Rotwein, Schädeln und einem unvollendeten Selbstporträt fängt die Animation Janssens Kampf mit der Sterblichkeit und seiner Suche nach künstlerischer Unsterblichkeit ein.

Marlene Trittler (elementare Musikpädagogik)

Horst Janssen spricht (00:20)

Horst Janssens Stimme ist sehr ungewöhnlich. Er wechselt andauernd die Tonhöhe und artikuliert nicht sehr deutlich, weshalb man ihn beim Sprechen nicht gut verstehen kann. Mir kam die Idee, seine Stimme auf meiner Bratsche nachzumachen und so den Fokus auf seine Sprachmelodie zu setzen. 

Ton: Bratsche (Marlene Trittler)

Technik: Wein auf Bild tröpfeln

Violetta Kusbach und Ruben Sabel

o.T. (Boxkampf) (00:09)

Sarah Marlene Neubauer

o.T. (Schaf & Wolf) (00:20)

Lisa Mukhina (Bildende Kunst & Fotografie)

Horst Janssen und sein Fetisch für Blumen (00:29)

Horst Janssen liebte es, Blumen, Totenköpfe, tote Fischköpfe, Schuhe, Knöpfe und Nähnadeln zu zeichnen. Niemand würde diesen Künstler als Liebhaber der kleinen Dinge bezeichnen. Aber in meiner Animation wollte ich diese verletzliche Seite von ihm zeigen.

Merle Tatoli (Freie Kunst & Kommunikationsdesign)

Ich sehe (01:16)

Der Film reflektiert das Gefühl, das die Kunst von Horst Janssen in mir auslöst. Seine Werke tragen etwas Bedrückendes, Melancholisches und Brutales in sich, gleichzeitig aber auch etwas sehr Ehrliches. Das "Schöne" scheint entzaubert, auf das Wesentliche reduziert. Ein Beispiel dafür ist die Blume, die in Janssens Arbeiten oft nicht idealisiert, sondern in ihrer Vergänglichkeit dargestellt wird.

Der Film ist mein Versuch, diese Wahrnehmung visuell umzusetzen und gleichzeitig die Perspektive von Horst Janssen zu erkunden. Dabei spielen zentrale Symbole wie die Hand, das Auge und die Blume eine wesentliche Rolle. Sie stehen für Wahrnehmung, Ausdruck und Vergänglichkeit – Themen, die in Janssens Werk immer wieder auftauchen.

Kontakt: MTatoli(at)gmx.de

Emilie Libera (*1999, integriertes Design mit Fokus auf Illustration)

Zündhölzer (00:08)

Eines der Exponate im Horst-Janssen-Museum ist eine Serie von Streichholzschachteln, die Janssen in Anlehnung an verschiedene Tageszeiten gestaltet hat. In den zugehörigen Zeichnungen sind vier Schachteln dargestellt, im Museum jedoch werden nur drei ausgestellt. Meine Animation geht der Frage nach, was mit der fehlenden Schachtel geschehen ist und was sie möglicherweise enthalten hat.

Technik: Zeichenkohle auf Papier

Xinyun Yu (*2001, Digitale Medien)

Landscape – Landschaft (00:28)

Begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise durch Janssens norddeutsche Landschaften. Inmitten von Dauerregen und kaltem Wind erwachen die kahlen Bäume unter seinem Pinsel zum Leben. Die Äste, die sich ständig biegen und wachsen, ihren Weg verlieren und sich neu ausrichten – ganz ähnlich wie unsere eigene Suche nach dem Sinn des Lebens.

Bei seiner Beobachtung taucht Janssen völlig in die Natur, dessen Vergänglichkeit ihm gänzlich entgeht, ein. Seine Werke überdauern Zeit und Raum, verankern sich in unserem Kopf und erwecken so eigene Landschaften vor unserem inneren Auge. 

Technik: Procreate, Procreate Dreams, Davinci

Musik: https://pixabay.com/music/

Guibok Yang (Figurative Malerei)

Totentanz (00:26)

Der Tango ist ein Tanz mit intensivem Rhythmus und Spannung, der an das unaufhörliche Verflechten und Aufeinandertreffen von Leben und Tod erinnert. Diese Animation ist sowohl eine Hommage an den Tod als auch eine Reflexion darüber, das Leben als einen Tanz zu begreifen und es in all seinen Momenten zu genießen.

Technik: Wasserfarbe auf Papier, Knöpfe, Faden

Dana Salih (integriertes Design, Fotografie, Animation, Produkt Design)

Horst Janssen X David Lynch (00:49)

Das Arbeiten von Horst Janssen und David Lynch sind insofern auffallend ähnlich, als sie scheinbar in derselben Sprache über das gleiche Thema sprechen. In dieser kurzen Animation habe ich mir vorgestellt, dass sie Freunde sind, zusammen Zeit verbringen und sich gemeinsam in ein Abenteuer stürzen, bei dem sie in dunklere Tiefen vordringen und auf Wesen aus einer anderen Welt treffen.

Alvin Sihle Inensiko (bildende Kunst)

Its all in the eyes - Es liegt alles in den Augen (00:26)

Horst Jansens Augen verraten eine ruhelose Intensität, die eine Spannung widerspiegelt, die sich auch in seinen Linien wiederfindet. Seine Arbeiten strahlen dieselbe Unruhe aus, ein Wechselspiel von Kontrolle und Chaos, Präzision und Impulsivität. Die Rastlosigkeit in seinem Blick ist nicht nur persönlichen Ursprungs, sondern resultiert auch aus der Bürde, die Welt und sich selbst zu intensiv zu beobachten.

Technik: analog

Kontakt: sinensiko(at)gamil.com

Instagram: sine_nsiko

Kaito Morita (Freie Kunst, Malerei)

Eintauchen (01:28)

Wenn er skizziert, wird er in seine eigenen Zeichnungen eintauchen. Das Ego schmilzt dahin, und das Reale und die Skizze werden sich überschneiden.

Technik: Sand, digitale Skizze

Kontakt: kamorita@hfk-bremen.de

Instagram: kaito_m.rita

Bedirhan Arslan

burn for it – dafür brennen (00:08)

Inspiriert wurde ich durch das Plakat von Horst Janssen‘s „Munch Museet 1982“. Durch die Kombination von Totenköpfen und den Flammen ergibt sich eine Blume, die für Leidenschaft und Verlangen des Erschaffens strebt, bis man schließlich dafür sterben würde. 

Technik: Digitale Animation

Instagram: iamnotreborn

Furkan Koc (*2005, Digitale Medien)

The day Horst lost his vision – Der Tag an dem Horst sein Augenlicht verlor (00:22)

Am 19. Mai 1990 verlor Horst Janssen vorübergehend sein Augenlicht, als er an einem ruhigen Tag auf einem Balkon saß, der plötzlich einstürzte. Schwer verletzt lag er am Boden, als Salpetersäure in seine Augen lief und ihn erblinden ließ. Monatelang blieb er im Krankenhaus, bis er sein Sehvermögen langsam zurückerlangte.

Diese dramatische Episode wird in einer Papercut-Animation dargestellt, in der blaue Punkte am Ende die Säure symbolisieren. Die Wahl der Farbe Blau hat eine besondere Bedeutung: Als Janssen wieder sehen konnte, malte er 100 blaue Bilder als Zeichen der Dankbarkeit für die Ärztin, die ihn behandelt hatte.

Technik: CapCut

Kontakt: fkoc(at)hfk-bremen.de 

Instagram: fufuonartdesk

Veronika Ryzhova

o.T. (Vogel) (00:13)

Aurelia Preu (Musik, Blockflöte, untersch. Epochen inkl. Neue Musik)

Hannos Tod (03:48)

Meine Inspiration für das Stück kommt aus dem Salooon Kurs. Wir haben uns alle zwei Wochen zusammengesetzt und uns gegenseitig den Fortschritt unserer Animationen gezeigt. Dies hat mich daran erinnert, dass Kunst ein Prozess ist und sich aus der kleinsten Idee, wie drei Tönen, entwickeln kann. So entwickelt sich auch das Stück aus den drei Tonnamen, die im Namen in Horst Janssen enthalten sind.

Technik: Digital